Die Entfernung zwischen Kopenhagen und Trollhättan

Nur vier Autostunden sind es vom dänischen Kopenhagen bis ins schwedische Trollhätten. Dennoch trennen beide Städte Welten. Zumindest wenn in der einen Stadt zwei Menschen bei einem islamistischen und in der anderen zwei Menschen bei einem migrantenfeindlichen Anschlag sterben.

E

s war am Nachmittag des 14. Februars 2015 als ein Mann im dänischen Kopenhagen das Feuer auf Teilnehmer einer Diskussionsveranstaltung zu Kunst und Pressefreiheit eröffnete. In der folgenden Nacht fielen vor einer Kopenhagener Synagoge erneut Schüsse. Zwei Menschen starben bei beiden Anschlägen, fünf weitere wurden verletzt. Der Täter in beiden Fällen: ein 22-jähriger Däne, der – so berichteten es Medien später – aus islamistischen Motiven handelte.

Knapp zehn Monate später und nur 350 Kilometer entfernt dringt am 23. Oktober 2015 im schwedischen Trollhätten ein mit Messern und einem Schwert bewaffneter Mann in eine Grundschule  ein. Zwei Menschen tötet er, vier weitere werden verletzt. Augenzeugen berichten später, der 21-jährige Attentäter habe gezielt Jagd auf Migranten gemacht. Die Polizei spricht von einem „rassistischen Motiv.“

So unterschiedlich die Motive der Attentäter auch sind, so augenfällig sind die Parallelen zwischen beiden Fällen. In beiden Fällen starben neben den Tätern zwei Menschen. In beiden Fällen hatte es einen Anschlag dieser Art in der Geschichte des Landes noch nicht gegeben. In beiden Fällen waren die Täter  junge Männer, die sich innerhalb der dänischen bzw. schwedischen Gesellschaft unbemerkt radikalisiert hatten. Und auch wenn es in beiden Fällen mutmaßlich Einzeltäter waren, ist das jeweilige gesellschaftliche Problem (Islamismus & Rassismus) hinter der Tat viel größer als der einzelne Anschlag: Der Attentäter von Kopenhagen sah sich offenbar durch die nur wenige Wochen zuvor stattfindenden Anschläge auf Charlie Hebdo motiviert. Der Attentäter von Trollhättan war Anhänger der rechtsradikalen und flüchtlingsfeindlichen Schweden-Demokraten.

Doch trotz der Ähnlichkeiten, sucht man in einem Bereich vergebens nach Parallelen: Hier sind einige Reaktionen von Politikern auf die Anschläge in Kopenhagen und Trollhättan, die zeigen, dass es offenbar einen großen Unterschied macht, ob ein Mensch aus rassistischen oder islamistischen Motiven ermordet wird:

 

Angela Merkel zu Kopenhagen:
„Das sind menschenverachtende Anschläge. … Deutschland steht fest an der Seite Dänemarks“

Merkel zu Trollhättan: „…“


Frank-Walter Steinmeier zu Kopenhagen:
„Die internationale Gemeinschaft wie die Staaten für sich werden sich dieser Art von Terrorismus nicht beugen“

Steinmeier zu Trollhättan: „...“


Großbritanniens Premierminister David Cameron zu Kopenhagen:
„Ich verurteile die Schießerei in Kopenhagen. Meinungsfreiheit muss geschützt werden.“

Cameron zu Trollhättan: „…“


Frankreichs Innenminister Bernard Cazeneuve zu Kopenhagen:
„Die terroristische Bedrohung ist auf ihrem Höhepunkt“

Cazeneuve zu Trollhättan: „…“


 Norwegens Ministerpräsidentin Erna Solberg zu Kopenhagen:
„Ein abscheulicher Akt der Gewalt“

Solberg zu Trollhättan: „…“


EU-Kommission zu Kopenhagen:
„Europa steht geschlossen mit Dänemark für Redefreiheit und das Recht auf freie Meinungsäußerung ein. Europa wird sich nicht einschüchtern lassen“

EU-Kommission zu Trollhättan: „…“


Dänemarks Ministerpräsidentin Helle Thorning-Schmidt zu Kopenhagen:
„Alles deutet darauf hin, dass die Schüsse eine politisch motivierte Attacke darstellen und deswegen ein Akt des Terrorismus sind… Wir werden unsere Demokratie verteidigen“

Schwedens Ministerpräsident Stefan Löfven zu Trollhättan:
„Ich bin tief betroffen… Wir denken an die Opfer, die Hinterbliebenen und diejenigen, die noch im Krankenhaus behandelt werden.“

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