Österreichische Journalisten sind eben auch nur Österreicher

Einer Studie zufolge fordert fast die Hälfte der Österreicher die Ausgrenzung ihrer muslimischen Mitbürger. Einige Journalisten, die über die Studie berichten, setzen die Forderung sprachlich gleich in die Tat um.

Selbst für österreichische Verhältnisse offenbart die Studie Erschreckendes: Fast die Hälfte (45%) der Österreicher sind der Meinung, ihre muslimischen Mitbürger sollten nicht die gleichen Rechte haben wie sie selbst. Noch einige mehr (48%) sprechen sich gegen Moscheen in ihrem Land aus und fordern, Muslimen die Glaubensausübungen einzuschränken (51%). Und ganze 70 Prozent urteilten gleich ganz pauschal: Der Islam passt nicht in die westliche Welt.

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Dies sind einige der Ergebnisse einer Studie, die der Salzburger Migrationsforscher Wolfgang Aschauer am Donnerstag vorstellte. Seine repräsentative Befragung unter 1.200 Österreichern und Österreicherinnen belegte nicht nur den erneuten Anstieg von Muslimfeindlichkeit im Land, sie zeigte vor allem eines: ein erschreckendes Ausmaß an Demokratiefeindlichkeit. Denn viele der Aussagen sind mit Religionsfreiheit und anderen Grundrechten der österreichischen Verfassung nicht in Einklang zu bringen.

Aber nicht nur die Studie selbst gibt Anlass zur Sorge. Auch die Art, wie Medien die Ergebnisse anschließend präsentierten, offenbarte wie tief muslimfeindliche Narrative mittlerweile in Österreich verwurzelt sind. Denn einige Redakteure deuteten die Befragten, so wie diese es vermutlich auch selbst tun würden: als Islamkritiker.

Die Forderung, einer gesellschaftlichen Gruppe ihre Grundrechte abzusprechen und einer Zweiklassengesellschaft das Wort zu reden, ist auch bei wohlwollender Auslegung keine, die noch unter das Label „Islamkritik“ fällt.

Ohnehin lassen sich bestenfalls zwei von elf Aussagen so deuten, dass hier eine Meinung zur Religion im Allgemeinen oder ihren Glaubensinhalten abgefragt wurde. („Der Islam passt nicht in die westliche Welt“ und „Das Kopftuch ist ein Symbol der Unterdrückung der Frau“)

Alle anderen Punkte fragten hingegen konkret danach, wie mit dem muslimischen Teil der österreichischen Bevölkerung umgegangen werden solle.

So bebilderte OE24 seinen Text zur Studie

Dass hier Österreicher über Österreicher befragt wurden, schien den berichtenden Journalisten allerdings entgangen zu sein. Von „Fremdenfeindlichkeit“ war an vielen Stellen die Rede. Doch in der Studie wurde weder nach schwedischen Austauschstudenten noch japanischen Kulturtouristen gefragt.

Stattdessen drehte sich die Befragung um Bewohner des Landes, die häufig deshalb Diskriminierung ausgesetzt sind, weil sie sich in ihrem Phänotyp von der Mehrheitsgesellschaft unterscheiden. „Rassismus“ ist ein Begriff, der vielleicht eine bessere Erklärung für die Studienergebnisse hätte liefern können und dennoch in keinem der Berichte auftaucht.

Kann man in diesem Fall die Schuld auch auf Studienautor Aschauer schieben (der hatte im Ö1 Morgenjournal den Begriff „Fremdenfeindlichkeit“ ebenfalls verwendet), wurde das Problem an anderer Stelle noch deutlicher.

Die Studienmacher hatten gefragt, ob Muslime die gleichen Rechte haben sollten wie „alle in Österreich“. Daraus machten die Redakteure von Standard, Kurier und Kleine Zeitung: „So glauben fast die Hälfte der Befragten, dass Muslime nicht die gleichen Rechte haben sollten wie Österreicher.“

Dass „Muslime“ und „Österreicher“ keine Gegensatzpaare sind, kam den Redakteuren nicht in den Sinn und setzten die von vielen Befragten geforderte Ausgrenzung von Österreichs Muslimen sprachlich gleich in die Tat um. [Nachtrag: Der Standard hat die Formulierung später geändert]

Und auch an einem weiteren Beispiel wurde deutlich, dass die Journalisten die Ergebnisse der Untersuchung nicht so ganz verstanden haben. Im letzten Satz der Studie erklärt Migrationsforscher Aschauer, was gegen Diskriminierung und Polarisierung in der österreichischen Gesellschaft hilft:

Nur durch Aufklärung statt Stimmungsmache und durch wechselseitigen Dialog statt Ausgrenzung kann kulturelle Verständigung erreicht und der gesellschaftliche Zusammenhalt gestärkt werden.

Zu Herzen genommen hat sich dieses Fazit keiner der Redakteure.

Nachtrag: Deutsche Journalisten sind natürlich auch nicht besser:

Katholisch.de

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