Von den Machern des Badehosenverbots kommt jetzt: Das Islamgesetz

Was tun, wenn der letzte Gebetsteppich aus der Uni verschwunden ist, das letzte Tuch vom Kopf gerissen und die letzte Vorhaut nicht abgeschnitten wurde? Julia Klöckner und Jens Spahn mit der ultimativen Idee für einen sicheren Platz bei Anne Will.

Es sind keine einfachen Zeiten in der deutschen Islamdebatte. Klar, nicht für die dauergegängelten Muslime, aber auch nicht für ihre Gegner. Schließlich ist das Heer aus Islamfeinden, -kritikern und -experten mittlerweile so groß, dass die Zahl muslimischer Verhaltensauffälliger oft nicht mehr ausreicht, um jedem zum eigenen Wahlkampf- oder Verkaufsschlager zu verhelfen. Das aktuellste Opfer des Überangebots an Islambashing ist der ARD-Moderator Constantin Schreiber. Für seinen Enthüllungsreport „Inside Islam“ reichte es schon nicht mehr, nur kritisch über Moscheepredigten zu berichten. Um überhaupt noch auf der „Spiegel“-Bestsellerliste zu landen, musste er diese auch noch falsch übersetzen.

Aber was tun, wenn der letzte Gebetsteppich aus der Uni verschwunden ist, das letzte Tuch vom Kopf gerissen und die letzte Vorhaut nicht abgeschnitten wurde? Den beiden CDU-Politikern Julia Klöckner und Jens Spahn kam da vergangene Woche die rettende Idee. Anstatt wie bisher einzelne muslimische Unvereinbarkeiten mit der deutschen Mehrheitskultur verbieten zu wollen, planten sie nun, gleich die ganze Religion unter gesetzgeberische Kontrolle zu stellen. Das ultimative Vorhaben für die nächste Islamdebatte: ein Islamgesetz.

Dazu muss man wissen: Klöckner ist eigentlich Fraktionsvorsitzende im rheinland-pfälzischen Landtag. Spahn macht als Staatssekretär unter Wolfgang Schäuble irgendetwas mit Finanzen. Mit muslimischem Leben in Deutschland haben die beiden – wie die meisten Islamkritiker – nur etwas zu tun, wenn sie es verbieten wollen. Doch dabei sind sie zumindest ausgesprochen einfallsreich: Mit Forderungen nach Verboten von Kopfbedeckungen, die es nicht gibt (Burka bei Ikea) oder Dingen, die sie schlicht nichts angehen (Badehosen im Fitnessstudio), besetzen die beiden so etwas wie die Kreativabteilung bundesdeutscher Islamfeinde.

Viele Moscheen haben die finanzielle Ausstattung eines Briefmarkenclubs

Aber zurück zum Islamgesetz. Dieses solle „die Rechte und Pflichten der Muslime in Deutschland auf eine neue rechtliche Basis stellen“, sagte Klöckner der „Bild am Sonntag“. Mit „neue Basis“ meint sie „keine Basis“. Denn so harmlos die Forderung klingt, Moscheen Gelder aus dem Ausland zu verbieten, wissen die beiden doch nur zu gut, wie knapp es um die Finanzierung muslimischen Lebens in Deutschland bestellt ist.

Zur Erklärung: Moscheen sind in aller Regel organisiert wie euer Briefmarkenclub: als Verein. Erinnert ihr euch, wie schwierig es beim letzten Treffen war, einen Protokollanten zu finden? Jetzt stellt euch einmal vor, wie schwierig es für Ehrenamtler neben dem wöchentlichen Gebet ist, auch noch Eheberatung, Hilfe beim Gang zum Amt und Jugendarbeit für oft Hunderte Menschen anzubieten.

Die Lösung für viele Probleme ist die Gleichstellung von Muslimen, nicht deren Sonderbehandlung

Aber um die Integrationsarbeit von Moscheen soll es nicht gehen. Weder in diesem Blogbeitrag noch im im Islamgesetz. Eine weitere Forderung: Deutsch sprechen sollen die Prediger. Kann man machen, versteht dann halt nur keiner. Und wo wir gerade dabei sind: Wusstet ihr, dass in Deutschland nicht nur auf Arabisch, Türkisch oder Dari gepredigt wird, sondern auch auf Russisch, Polnisch, Spanisch, Portugiesisch und Italienisch? In Kirchen, nicht in Moscheen. Und was sagt die Verfassung noch einmal zur Gleichbehandlung von Religionen?

Um jetzt aber konstruktiv zu werden: Ein Islamgesetz ist so überflüssig wie alle anderen Versuche von Spahn und Klöckner, auf dem Rücken von Muslimen einen Platz in der nächsten Sendung von Anne Will zu bekommen. Probleme gibt es natürlich trotzdem, die Lösungen allerdings auch. Gegen mangelnde Deutschkenntnisse helfen mehr staatlich geförderte Sprachkurse. Gegen das Schmuddelimage von Moscheen, die sich irgendwo zwischen Tiefgarage und Gewerbegebiet von der Mehrheitsgesellschaft abschotten, helfen Behörden, die sich nicht bei jedem Bauantrag eines islamischen Vereins in Moscheebauverhinderungsämter verwandeln. Und gegen Einflussnahme aus dem Ausland hilft die Anerkennung als Religionsgemeinschaft und damit der Zugang zu staatlichen Geldern. Kurz: die Gleichstellung von Muslimen, nicht die Sonderbehandlung durch ein Islamgesetz.

Bleiben natürlich immer noch die Extremisten, die Hassprediger und Demokratiefeinde. Für die gibt es zum Glück schon ein „Islamgesetz“. Es heißt Grundgesetz und gilt seit 1949 für Muslime wie CDU-Mitglieder.

[Das Aufmacherfoto zeigt möglicherweise fünf Muslime, die gemäß der islamischen Tradition in einem Fitnessstudio Badehose tragen. Vielleicht handelt es sich aber auch um eine „Dolce &Gabbana“-Werbung mit italienischen Fußballstars. Wie auch immer,  Jens Spahn hat sich zu dieser Provokation jedenfalls noch nicht geäußert.]

Ein Kommentar zu “Von den Machern des Badehosenverbots kommt jetzt: Das Islamgesetz

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.