Wenn Donald Trump die Kriminalitätsrate senken will, sollte er die Grenzen öffnen

Wie viele Amerikaner starben in den letzten 40 Jahren durch Attentäter aus den #MuslimBan-Staaten? Wie viele Flüchtlinge wurden zu Terroristen? Sind Mexikaner wirklich gewalttätiger? Die Debatte um Donald Trumps Einwanderungspolitik hinterlässt allerlei Fragen. Hier sind ein paar Antworten.

Mexikaner sind Mörder und Vergewaltiger. Jeder syrische Flüchtlinge ein potentieller Terrorist. Und mit jedem zugewanderten Muslim rücken die Vereinigten Staaten ein Stück weiter ihrem dschihadistischen Untergang entgegen. Das Bild, das Donald Trump und seine Anhänger von ihren migrantischen Mitbürgern zeichnen, ist nicht unbedingt das wohlwollendste. Aber auch unter Amerikanern, die Migration aufgeschlossener gegenüber stehen, hält sich der Glaube, dass Migration doch auch immer auf Kosten von nationaler Sicherheit und öffentlicher Ordnung geht. Hier sind vier Gründe, warum das Quatsch ist.

Grund 1: Seit dem 11. September haben Flüchtlinge in den USA keinen einzigen Terroranschlag begangen

784.000 Flüchtlingen haben die Vereinigten Staaten seit dem 11. September Zuflucht geboten. Da ist nicht auszuschließen, dass sich darunter auch einige „bad dudes“ – wie Trump sagen würde – befinden. Die Migrationsforscherin Kathleen Newland hat deshalb sämtliche Fälle seit dem 11. September 2001 recherchiert, in denen Flüchtlinge im Verdacht standen, Terroranschläge geplant zu haben.

Sie stieß auf insgesamt drei: zwei bosnische Flüchtlinge sollen versucht haben, Uniformen von US-Soldaten an den IS zu schicken. Ein usbekischer Flüchtling wurde beschuldigt, Pläne für den Erwerb von Sprengstoffen geschmiedet zu haben. Zu kronkreten Anschlagsplanungen oder gar der Ermordung von Amerikanern kam es in keinem einzigen Fall. Und das nicht erst seit 9/11. Die Gesamtzahl der Amerikaner, die in den letzten 40 Jahren bei von Flüchtlingen begangenen Terroranschläge ums Leben kamen: null. Zuletzt verübten Flüchtlinge in den 1970ern einen tödlichen Terroranschlag. Bei den Tätern handelte es sich um drei Kubaner.

Grund 2: In den letzten 40 Jahren starb kein Amerikaner durch einen Attentäter aus den #MuslimBan-Staaten

Das bedeutet freilich nicht, dass islamistische Terroristen in den USA keine Gefahr darstellten. Am 22. Dezember 2015 tötete das Terroristenpärchen Syed Rizwan Farook und Tashfeen Malik in San Bernadino 14 Menschen. Während Farook aus Chicago stammt, wurde Malik in Pakistan geboren. Auch bei den Brüdern, die mutmaßlich das Attentat auf den Boston-Marathon 2013 begangen haben, handelte es sich um Migranten aus Tschetschenien. Und da sind natürlich die Attentäter von 9/11. 2.983 Menschen starben am 11. September 2001. Die Täter: 15 Männer aus Saudi Arabien, 2 aus den Vereinigten Arabischen Ermiraten, 1 Ägypter und 1 Libanese.

Auffällig allerdings: Betroffen von Trumps Einreisesperre wäre kein einziger von ihnen. Der Migrationsforscher Alex Nowratesh hat einmal nachgezählt, wie oft Bürger aus Ländern, die von Trumps Einreisesperre betroffen sind, in den letzten 40 Jahren in Terrorverdacht standen. Sein Ergebnis: Seit 1975 wurden insgesamt sechs Iraner, sechs Sudanesen, zwei Somalis, zwei Iraker und eine Jemenite in Zusammenhang mit terroristischen Aktivitäten verurteilt. Die Gesamtzahl der Amerikaner, die in den letzten 40 Jahren durch Terroranschläge ivon Iranern, Iraqern, Jemeniten, Libyern Somalis, Sudanesen und Syrern in den USA umkamen: null.

Grund 3: Mexikanische Migranten sind weniger gewalttätig als ihre weißen Mitbürger

Nach Muslimen und Flüchtlingen mindestens auf dem dritten Platz von Trumps Feindbildskala: Mexikaner. Traurige Berühmtheit erlangte sein Zitat über mexikanische Migranten: „They’re bringing drugs, they’re bringing crime, they’re rapists and some I assume are good people.“

In einer groß angelegten Studie haben Forscher der Harvard University schon 2007 Polizeistatistiken nach einer besonderen Häufung hispanischer Gewalttäter untersucht. Doch stattdessen fanden sie das „Latino-Paradoxum“: Obwohl mexikanische Einwanderer statistisch aus sozial niedrigeren Schichten stammen als ihre weißen und schwarzen Mitbürger, begehen sie deutlich weniger Gewalttaten. In der ersten Einwandergeneration lag der Unterschied sogar bei über 40 Prozent, nimmt mit den Jahren aber mehr und mehr ab. Der Grund: Integration. Die mexikanischen Migranten passen sich langsam der höheren Kriminalitätsneigung der einheimischen Bevölkerung an. 

Grund 4: Die Anzahl der Migranten in den USA steigt, die Kriminalität geht zurück

Ein ähnlichen Effekt haben auch Forscher der University of California und George Washington University beobachtet. Die Wissenschaftler wollten wissen, welcher Zusammenhang ganz allgemein zwischen Migration und Kriminalität in den USA besteht und verglichen dazu Kriminalitätsstatistiken des FBI mit den Ergebnissen von Volkszählungen. Ihre Ergebnisse, die sie im Juli 2015 veröffentlichten, betätigten tatsächlich einen Zusammenhang von Migration und Kriminalität, aber nicht jenen, den Trump im Sinn hat.

Der Studie zufolge verdoppelte sich in den den Jahren 1990 bis 2013 die Zahl von Amerikanern, die im Ausland geboren wurde. Die Zahl illegaler Migranten verdreifachte sich sogar. Doch eine Steigerung der Kriminalität konnten die Forscher nicht feststellen. Im Gegenteil: Im untersuchten Zeitraum nahmen Gewalt- und Eigentumsdelikte in den USA um mehr als 40 Prozent ab. Und die Studie kam zu einem weiteren überraschenden Ergebnis: Nicht Einwanderer, sondern Amerikaner, die in den USA geboren wurden, werden statistisch häufiger verhaftet. Wenn Donald Trump also wirklich die Kriminalitätsrate in seinem Land senken will, sollte er die Grenzen öffnen.

[Das Aufmacherfoto zeigt syrische Migranten im New York des beginnenden 20. Jahrhunderts.]

3 Kommentare zu “Wenn Donald Trump die Kriminalitätsrate senken will, sollte er die Grenzen öffnen

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.