Die 11 größten medialen Breivik-Verharmloser

Vor vier Jahren tötete der islamfeindliche Terrrorist Anders Behring Breivik in Norwegen 77 Menschen. Es war einer der größten Terroranschläge in Europa der letzten Jahrzehnte. Und der Beginn eines der größten medialen Versagen.

Am 22. Juli 2011 ermordete der islamophobe Terrorist Anders Behring-Breivik in Oslo und auf Utoya 77 Menschen. Vier Jahre später könnte man sich darüber aufregen, dass sich noch immer viele Medien weigern, die Bezeichnung „Terrorist“ zu Papier zu bringen. Oder darüber, dass in den vielen Berichten zum Jahrestag die islamfeindliche Ideologie Breiviks keine Erwähnung findet. Andererseits: Erinnert man sich an die Berichterstattung von damals, war von den meisten Medien auch nichts anderes zu erwarten. Eine völlig unvollständige Auflistung von Fällen, in denen Journalisten Breiviks Verbrechen verharmlosten:

11. Als Spiegel Online über den wahren Hintergrund des Anschlages spekulierte

Am späten Nachmittag des 22. Juli machte Breivik noch Jagd auf die Jugendlichen auf der Insel Utoya. Spiegel Online wusste da schon: 

Sollte es sich tatsächlich um einen Terroranschlag handeln, dürfte der Verdacht auf al-Qaida oder von dem Terrornetzwerk inspirierte Täter fallen. … Brynjar Lia, einer der führenden norwegischen Terrorismusexperten, sagte SPIEGEL ONLINE: „Dass die Explosion offenbar im Regierungsviertel stattfand, ist ein starker Hinweis darauf, dass es sich um einen Terroranschlag handeln könnte.“ … Al-Qaida macht in seiner Propaganda keinen großen Unterschied zwischen den einzelnen skandinavischen Staaten – seit der Veröffentlichung der Mohammed-Karikaturen in einer dänischen Tageszeitung vor über fünf Jahren will al-Qaida in einem dieser Staaten einen Racheanschlag durchführen.

10. Als „Die Welt“ noch einen daraufsetze und den mutmaßlichen Attentäter präsentierte

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Noch am Abend des 22. Juli vermutete „Die Welt“ einen Mullah Krekar hinter den Anschlägen

9. Als die Österreichische Tageszeitung „Österreich“ die Al-Qaida-Story auf die Startseite packte

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„Einfach Doppelt so viel Spaß“, dafür nur halb so viel Journalismus

8. Als Medien aus dem Breivik-Prozess eine Boulevard-Story machten

Am 16. April 2011 begann der Prozess gegen Anders Behring-Breivik. Wie Medien damals berichteten hatte Michael Schlieben unter dem Titel „Stoppt die Breivik-Soap“ auf Zeit Online schön zusammengefasst:

Keine Belanglosigkeit aus dem Leben des Killers, die das Boulevardblatt nicht ausschlachten würde: Man erfährt, dass der „kleine Anders“ Graffiti sprühte und unter Pickeln litt, dass er nie eine Freundin hatte und man erfährt sogar vom Genital-Herpes seines Stiefvaters. Mit der Sexualität soll die Familie Breivik offensichtlich Probleme gehabt haben. „Vielleicht“, so orakelt die Bild, war das die „Triebfeder seiner Wahnsinnstat“.

7. Als selbst die Tagesschau vom Islamismus schwafelte – nach der Festnahme Breiviks

Auch die Tagesschau hatte am 22. Juli ihren „Terrorexperten“, der vom „islamistischen Terror“ halluzinierte. Die Festnahme Breiviks war zu dem Zeitpunkt sogar schon bekannt. Rainald Becker wird ab 2016 übrigens ARD-Chefredakteur.

6. Als die britische „The Sun“ noch am 23. Juli mit einem „Al-Qaida-Massaker“ aufmachte

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Großbritanniens auflagestärkste Tageszeitung am Morgen nach dem Anschlag

5. Als Henryk M. Broder versuchte, sich gegen die Vereinnahmung durch Breivik zu wehren

Der Journalist Henryk M. Broder hatte die zweifelhafte Ehre, der meistzitierte deutsche „Islamkritiker“ in Breiviks Manifest zu sein. Dieser reagierte darauf nicht nur mit einem ziemlich peinlichen Text. Fünf Tage nach dem Anschlag schaffte er es immer noch, statt Islamfeinden Islamisten zu den Stichwortgeber Breiviks zu machen.

Ich weiß, ich vereinfache, ich versuche nur, mit der Gegenseite Schritt zu halten, die mit einer Schamlosigkeit sondergleichen versucht, sich einen moralischen Vorsprung zu verschaffen, indem sie die Verantwortung für einen Massenmord „Islamkritikern“ von Ates bis Sarrazin, von Broder bis Wilders in die Schuhe zu schieben versucht. Umgekehrt wird ein Schuh daraus. … Breivik wusste, dass er seine Tat „rational“ begründen muss. Und das hat er nicht bei mir und Thilo Sarrazin gelernt, sondern bei Mohammed Atta und Osama Bin Laden, bei den Attentätern von Madrid, London, Mumbai, Bali; bei Carlos, dem Schakal, und den „Märtyrern“, die ein Video aufnehmen, bevor sie ins Paradies aufbrechen.

4. Als ein US-Talker hinter der Breivik-Berichterstattung eine anti-christliche Verschwörung ausmachte:

Die New York Times gehörte zu den wenigen US-Medien, die Breivik als „christlichen Terroristen“ bezeichneten. US-Talker Bill O’Reilly sah darin eine Verschwörung „liberaler Medien“ und „Linker“ gegen konservative Amerikaner:

3. Als am Tag des Anschlags ein Provinzredakteur zum größten Arschloch der Medienwelt avanzierte

Diese Liste ist zu kurz, um alle selbsternannten und gescheiterten Terrorexperten des 22. Juli aufzulisten. Manfred Schermer, Politik-Redakteur bei der Fuldaer Zeitung, übertraf sie allerdings alle. Er machte „muslimische Zuwanderer“ und die „liberale Ausländerpolitik“ Norwegens als Ursache des Terrors ausfindig:

Bislang waren die Norweger stolz auf ihre offene Gesellschaft. Die Mitte-Links-Regierung mit Regierungschef Jens Stoltenberg an der Spitze hat im Gegensatz zur Regierung im benachbarten Dänemark auf eine liberale Ausländerpolitik und einen Dialog mit muslimischen Zuwanderern gesetzt. Nun muss sie bitter erfahren, wie ihnen ihre Liberalität gedankt wird. So sympathisch eine offene Gesellschaft ist — sie lässt eben nicht nur ihren gesetzestreuen Mitgliedern, sondern auch Kriminellen und Terroristen Freiheiten, die in etlichen anderen Ländern seit den Anschlägen von New York, London und Madrid teils drastisch eingeschränkt worden sind. Offensichtlich nicht ohne Grund. Diesem feigen Terrorpack mit Großzügigkeit zu begegnen, hieße, ein Feuer mit Benzin löschen zu wollen. Wer diesen Fanatikern versöhnlich kommen will, muss damit rechnen, dass ihm dies als Schwäche ausgelegt und skrupellos ausgenutzt wird.

Der Artikel wurde kurz nach der Veröffentlichung gelöscht. Stefan Niggemeier hat ihn archiviert und schön kommentiert. 

2. Als Ayaan Hirsi Ali ein Jahr nach dem Anschlag Breivik verteidigte

Wie Broder gehörte Ayaan Hirsi Ali zu jenen „Islamkritiker“, aus deren Werk sich Breivik beim Schreiben seines Manifestes bediente. Rund ein Jahr nach dem Anschlag bekam Ali den Ehrenpreis der Axel-Springer-Verlages und verteidigte in ihrer Dankesrede sich selbst und Breivik:

„[Breivik] mag das Werk von jenen zitiert haben, die sich gegen den politischen Islam in Europa und Amerika aussprechen – mich eingeschlossen. Aber in seinem 1500 seitigem Manifest sagt er nicht, dass es diese Leute waren, die ihm zu Morden inspiriert haben. Er sagt ganz klar, dass es die Anwälte des Schweigens waren. Denn jeder Ausweg, seine Meinung zum Ausdruck zu bringen, wurde zensiert. Er sagt, er hatte keine andere Wahl als Gewalt einzusetzen.“

Ausführlich hat die Geschichte Stefan Buchen im Cicero aufgeschrieben.

1. Als es für eine Breivik-Verharmloserin Standing Ovations gab

Als Ayaan Hirsi Ali an diesem Abend ihre Rede beendete hatte, gab es keine Buhrufe, niemand verließ aus Protest den Saal der Axel-Springer-Akademie. Stattdessen reagierte das Publikum voller etablierter Journalisten mit Standing Ovations (Alis Rede beginnt bei Minute 19).

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