„Man muss das Anderssein der Anderen auch mal aushalten können“

Ahmadiyya-Chef Abdullah Uwe Wagishauser über seinen Plan, 200 Moscheen zu bauen, Islamkritiker mit Armbrust und Yoga gegen den Terror.

Der Staat hofiert sie für ihre Grundgesetztreue, konservative Muslime beschimpfen sie als Häretiker und Rechtspopulisten halten sie für Islamisten. Die Ahmadiyya-Gemeinde sitzt zwischen allen Stühlen und prägt dennoch das Bild vom „deutschen Islam“ wie keine andere islamische Gruppierung in Deutschland. Ich hab mit dem Vorsitzenden der Ahmadiyya-Gemeinde Abdullah Uwe Wagishauser gesprochen.

Als einzige islamische Gemeinde genießen Sie staatliche Anerkennung, überall im Land bauen Sie Moscheen und sogar Horst Seehofer lobt Sie für Ihre Kooperationsbereitschaft. Was machen sie besser als andere islamische Organisationen?

Wagishauser: Die Problematik ist, dass nicht alle islamische Organisationen so organisiert sind wie wir. Manche sagen, dass die Ahmadiyya sogar overorganized ist. Ähnlich wie die katholische Kirche haben wir Mitgliederregistrierung. Das gibt es bei anderen Gemeinden so nicht. Ich glaube, beide Seiten sollten aufeinander zukommen: Die islamischen Gemeinden müssen an bestimmten Sachen arbeiten. Aber es ist auch wichtig, Sicherheit zu gewährleisten. Wir können diese gewährleisten, weil in unsere Moscheen keiner hinein und herausgeht, ohne dass es jemand mitbekommt. Aber auch die Bundesregierung könnte etwas großzügiger vorangehen.

Oftmals sind Vertreter von Islam und Politik nicht einmal bereit miteinander zu reden. Manche verlassen Treffen aus Protest, andere stellen Vorbedingungen. Gibt es Situationen, in den sie sich das auch vorstellen können?

Nein, man darf nie das Gespräch verweigern. Zu sagen „mit dem kann ich nicht, mit dem darf ich nicht“ ist nicht unsere Art und Weise. Man muss das Anderssein der Anderen auch mal aushalten können. Aber bei geschäftlichen Arbeitsweisen muss man auch mal sagen können: „So kommen wir nicht weiter.“ Wir reden ja sogar mit der AfD.

„Die Gefahr ist, dass wir Gruppen haben, die nicht einmal mehr miteinander reden“

Meinen Sie Ihre letzte Jahresversammlung, als sie den religionspolitischen Sprecher der AfD auf ihr Podium setzten?

Nicht nur da. Ich komme aus Groß-Gerau und bin dort einmal zu einer Veranstaltung des AfD-Bundestagsabgeordneten gegangen. Sich das eine Stunde und 15 Minuten anzuhören, grenzt schon an Masochismus.

Wozu machen Sie es dann?

Diese Leute wollen die Gesellschaft in zwei Gruppen spalten. Da habe ich kein Verständnis für und das muss man aufdecken, indem man den Rassismus klar anspricht. Wenn sie dann sagen ‚mit denen wollen wir nicht‘, können wir zeigen, dass sie sich einem Dialog verweigern und in Wahrheit nur spalten wollen. Die Gefahr in unserer Gesellschaft ist, dass wir Gruppen haben, die nicht einmal mehr miteinander reden; die nicht einmal das gleiche Vokabular haben. Darüber müssen wir sprechen. Niemand sollte ausgegrenzt werden.

Apropos Ausgrenzung: Anfeindungen sind Sie nicht nur von rechts, sondern auch von anderen Muslimen ausgesetzt. Kommt es eigentlich noch vor, dass Vertreter anderer Gemeinden sagen, „das sind keine Muslime. Mit denen rede ich nicht.“?

Im Islamunterricht bekommen wir zum Beispiel mit, dass die ein oder andere türkische Fraktion sagt: „Nee, zu denen schicke ich meine Kinder nicht.“ Wir machen aber die Erfahrung, dass es immer mehr junge Leute in den anderen islamischen Gemeinden gibt, die nicht mehr blind ihren Hodschas zuhören, sondern an Universitäten studieren. Da tut sich etwas. Die sind offener geworden. Man kommt eher mit Leuten ins Gespräch. Aber auch die Institution merken, sie müssen sich an gewisse Spielregeln halten. Wenn Leute lange mit uns zu tun haben, merken sie, dass es lächerlich klingt, zu sagen, wir seien keine Muslime. Wenn sie mitkriegen, dass auch wir den Koran kennen, den Islam verteidigen und oft mehr Wissen über theologische Fragen haben als sie.

„Manche Leute sagen, in Deutschland geht es viel islamischer zu als in den meisten islamischen Ländern“

Dafür dass es in Deutschland gerade einmal 40.000 von Ihnen gibt, sind Sie öffentlich ziemlich präsent. Ob auf Demos gegen rechts, in der Flüchtlingshilfe oder in TV-Talkshows: Überall trifft man Ahmadis. Wie kommt das?

Weil wir eine Botschaft haben. Unser Gründer hat den Anspruch erhoben, der von Mohammed prophezeite Imam Mahdi Messias zu sein. Als Jesus kam, hat er auch eine Gemeinde um sich gescharrt. Er sagte zu den Leuten: Ihr seid verhärtet. Jesus sagte, wenn dir jemand auf die eine Wange haut, halte die andere Wange hin. Im Grunde genommen war das auch die Haltung des Gründers der Ahmadiyya-Gemeinde. Er sagte: „Muslime sind in einem desolaten Zustand. Die Moscheen sind voll, aber die Spiritualität ist nicht mehr da.“ Unsere Aufgabe ist es, die Schönheit des Islam anzupreisen. Islam ist eine Religion, die der Natur des Menschen entspricht.

Vorzeigemuslime“ ist ein Begriff, der in der Berichterstattung über die Ahmadiyya häufig fällt. Würden Sie zustimmen, dass Sie sich mehr als andere islamische Gruppierungen um ein positives Images bemühen?

Was heißt hier positives Image? Wenn der Gründer der Gemeinde sagt, ihr sollt loyal zum Staat stehen…

Es gibt doch aber einen Unterschied zwischen loyal zum Staat stehen einerseits und die eigenen Gemeindemitglieder Deutschland-Fähnchen wedeln und die Gemeinde statt „Allahu Akbar“ „Islam heißt Frieden“ rufen zu lassen andererseits.

Ja aber das muss man heute machen, weil Muslime in der Kritik stehen. Islam ist natürlich auch ein Dauerthema, was die Leute anfängt zu nerven, was nicht mehr weggeht. Natürlich sind wir daran interessiert, das Thema auf eine positive Art und Weise zu besetzen. Das gibt uns dann auch die Möglichkeit, auf die Schönheit des Islam hinzuweisen. Viele Neu-Deutsche wertschätzen die Freiheiten, die sie hier haben. Wenn sie in einem Land aufgewachsen sind, das all das nicht hat, kein Grundgesetz, keine Staatsinstitutionen, keine Religionsfreiheit, keine medizinische Versorgung, dann ist das eine ehrliche Wertschätzung. Es sind alles Dinge, die man von einem islamischen Staat fordern würde. Manche Leute sagen, in Deutschland gehe es viel islamischer zu als in den meisten islamischen Ländern. Das ist unsere Grundstimmung. Da steckt ehrliche Wertschätzung und Dankbarkeit dahinter.

Für immer mehr Deutsche gehört auch sexuelle Toleranz zum Selbstverständnis ihres Landes. Wäre es nicht an der Zeit, auch mal ihren Standpunkt zu Homosexualität zu überdenken?

Nicht nur im Heiligen Koran, sondern auch aus anderen heiligen Schriften gilt Homosexualität als eine Sache, die Gott nicht gefällt. In unserer Gemeinde werden wir das deshalb nicht fördern. Wir sagen aber auch, dass Sexualität etwas ist, das im Privatbereich stattzufinden hat. Und wir kontrollieren nicht das Privatleben der Leute.

Trotzdem hätte man es als offen Homosexueller wohl schwer in ihrer Gemeinde.

Ich kann mir vorstellen, dass es ein schwieriger Konflikt ist, homosexuell und in einer islamischen Gemeinde Mitglied zu sein. Wir fragen uns schon, wie dieser Konflikt zu lösen ist. Das Oberhaupt der Gemeinde hat auch schon über Fälle gesprochen, in denen sich Leute wieder freigemacht haben von dieser sexuellen Vorstellung. Natürlich, darf niemand wegen seiner Sexualität diskriminiert werden. Aber wer sich outet, wird wahrscheinlich nicht Präsident der Gemeinde werden können. Das ist bei uns nicht anders als bei den christlichen Kirchen.

„Ein Prozent sind Ahmadis, aber wir haben 30 Prozent aller Moscheen gebaut“

Woran sich weitaus mehr Menschen stören, sind ihre Moschee-Neubauten. Keine andere islamische Organisation baut derzeit so viele repräsentative Moscheen in Deutschland wie die Ahmadiyya. Warum eigentlich?

Weil wir besser organisiert sind, weil wir besser fokussiert sind und weil wir einen Kalifen haben, der auch jeden Freitag über Dinge spricht. Es gibt in Deutschland 250 Moscheen. Es gibt 4,5 Millionen Muslime. Ein Prozent sind Ahmadis, aber wir haben 30 Prozent aller Moscheen gebaut.

Was ich meine ist: Wozu?

Wir brauchen einfach Moscheen. Eine Moschee ist wichtig. Das stabilisiert eine Gemeinde. Die braucht eine Einheit. Die braucht einen Imam. Warum nicht ein adäquates Gebäude, das man auch als Moschee erkennt? Man wirft uns vor, nur wir würden Minarette bauen. Natürlich! Das ist eine Moschee! Das ist eben keine Synagoge und keine Kirche, kein Tempel. Das ist eine Moschee für Muslime.

Die braucht es selbst in Gegenenden wie Erfurt, wo es kaum Ahmadis gibt?

Die Thüringer Gemeinde hatte schon 450 Mitglieder. Aber die Leute sind immer abgewandert, weil es keinen Platz gab, wo man sich treffen konnte; keinen, wo man einfach mal die Kinder hinschicken konnte. Deshalb ist uns wichtig, dass unsere Gemeinden Moscheen haben. Deswegen kämpfen wir auch dafür. Auch gegen Widerstände. Das ist im Osten etwas härter aber deshalb auch umso wichtiger.

Stimmt es, dass Sie 100 Moscheen in Deutschland bauen wollen?

Der vierte Kalif hat das damals zum 100-jährigen Jubiläum gesagt: „Warum seid ihr nicht das erste Land in Europa, das 100 Moscheen baut?“ Das ist aber relativiert wurden vom fünften Kalifen, der damals gesagt hat: „Warum 100? Ihr habt 220 Gemeinden also letztlich will jede Gemeinde eine haben.“

Wann wird es soweit sein?

2023 werden wir 100 Jahre alt aber das wäre sehr ambitioniert. Es wird knapp. Wir haben jetzt 53 gebaut. 7 oder 8 sind im Bau. Wir haben aber schon weitere 10 Grundstücke gekauft. Das ist ein fließender Prozess.

„Natürlich ist es manchmal so anstrengend als würde man ein Atomkraftwerk bauen“

Haben Sie Verständnis, wenn Leute Angst vor Islamisierung haben; wenn Leute in Nachbarschaft Ihrer Moscheen sagen, Sie hätten es auf Missionierung abgesehen?

Natürlich machen wir Missionsarbeit. Unsere Aufgabe ist es, die Schönheit des Islam anzupreisen. Islam ist eine Religion, die der Natur des Menschen entspricht. Wir sind daran interessiert, dass Menschen friedlich zusammenleben. Und wir bekommen auch viel Support. In Leipzig haben wir unwahrscheinlich viel Unterstützung von Leuten aus der Zivilgesellschaft, die einfach für ein offenes und buntes Leipzig sind. Das gibt es ja auch. Wenn jemand dieses Land liebt, möchte man doch, dass sich dieses Land in eine Art und Weise entwickelt, dass jeder eine Chance hat mitzumachen. Islam heißt für uns, loyal zu dem Land zu stehen, unter dessen wohl behüteten Dach man lebt und dieses Land eben schöner zu machen. Wir glauben, dass mit dem Islam Vieles schöner werden könnte.

Dann weisen Sie mich bitte einmal auf ein paar islamische Schönheiten hin!

Islam steht für die Möglichkeit, wie es Menschen schaffen können, unterschiedliche religiöse, politische und kulturelle Vorstellungen durch gemeinsame Akzeptanz zu einem Staatsgebilde zu formen. Wir hatten vor 30, 40 Jahren viele islamische Länder mit einer multikulturellen Atmosphäre. In Syrien, Libanon oder Jemen gab es Drusen, Christen, Muslime und Juden. Alle lebten friedlich miteinander. Es gab eine Art des Zusammenlebens, die wir heute in den Ländern nicht haben. Sie sind zerstört worden. Wir haben Terrorismus, Unruhen, Unfrieden, Ausgrenzung.

…in islamischen Ländern…

Das lehrt der Islam nicht. Islam lehrt, dass man friedlich miteinander leben muss und kann. Islam lehrt, dass alle Propheten ihre Berechtigung haben. Dass es viele Religionen gibt und alle Religionen ihre Berechtigung haben. Islam lehrt, dass es die letzte der offenbarten Religionen ist und sie die abschließende Wahrheit einführt. Bestimmte Dinge, die sich im Laufe der Zeit im Christentum verändert haben, werden da korrigiert, wie z.B. die Sohnschaft Jesus. Dass Jesus jetzt zu einem Gott gemacht wurde, hat Jesus nie gelehrt und das haben die frühen Gefährten von Jesus auch nicht gelehrt. Darauf weist der Islam hin.

Wer hat Sie eigentlich darauf hingewiesen?

Wir haben lange und überall gesucht.

In den Heiligen Schriften?

Nein, erst bei Marx und Engels und dann in den östlichen Einflüssen. Ich habe Yoga gemacht und meditiert. Man hat alles ausprobiert: Hinduismus und Buddhismus. Als meine Freunde anfingen in die terroristische Szene abzudriften, habe ich angefangen mich mit Yoga zu beschäftigen.

Yoga-Kurs statt RAF?

Ja, das war die 68er Zeit. Das war eine bestimmte Vorstellung von Widerstand. Für mich war da von vornherein klar, dass es keine Gewalt geben darf. Ich hab mich sehr intensiv mit Buddhismus beschäftigt und gefragt: Wenn alle diese Religionen aus dem Osten kommen, sogar das Christentum, sollte man sich dann nicht mal auf den Weg machen und schauen, was es da Gutes gibt? Man muss ja schon sagen, dass Gott die Propheten alle in dieser Region der Welt hat auftreten lassen und nicht in der westlichen. Auf einer Reise in den Orient, bin ich dann zum Islam konvertiert worden.

„Als meine Freunde anfingen in die terroristische Szene abzudriften, habe ich angefangen mich mit Yoga zu beschäftigen“

Wo war das?

Ein alter Kumpel, den ich unterwegs getroffen hatte, sagte zu mir: „Warum gehst du nicht mal nach Kaschmir und besuchst das Grab von Jesus?“ Der Stern hatte 1973 diese Geschichte über das Grab von Jesus gebracht. Das schien eigentlich sehr logisch. Neulich sagte jemand, das könne man doch gar nicht beweisen. Ich frage mich, wie kann man denn beweisen, dass Jesus lebendig in den Himmel gefahren ist? Damals haben zwei jüdische Stämme in Palästina gelebt und die anderen waren durch Nebukadnezar, der damals Jerusalem zerstört hatte, nach Kaschmir verschleppt worden. Wenn die dann nach Kaschmir gehen, fallen sie gar nicht so auf. Da gibt es auch Menschen mit europäischen Zügen. Es wurden auch Töpfe gefunden, die in Palästina verwendet werden. Es gibt auch viele Ethnologen, die sagen dass es dort jüdische Nachkommen gibt.

Ich habe mir dann dieses Grab angesehen. Leute dort haben mir gesagt, wenn ich mehr über das Grab wissen will, soll ich nach Qadian fahren. Dort sei eine Gemeinde, die mehr weiß. Das war die Ahmadi-Muslim-Gemeinde. Als ich dort ankam, stand ich auf einem vollen Platz. Es war der erste Tag der Jalsa Salana [die Jahresversammlung der Ahmadiyya]. Sie würden sagen, es war Zufall. Ich würde sagen, das war so arrangiert. Und in kurzer Zeit habe ich dort gefunden, was ich immer gesucht habe.

Das war?

Eine Gemeinschaft, die rechtschaffen war. Ein Gemeinschaft, in der der Geehrteste der war, der spirituell am weitesten einwickelt war, der am ehrlichsten, am barmherzigsten war. Eine Gemeinschaft, in der Werte eine Rolle spielen. Innerhalb von zwei Wochen war ich Muslim.

Kommen wir zur heutigen Realität zurück. In Berlin-Wilmersdorf hat kürzlich die älteste Moschee Deutschlands ihren 90. Geburtstag gefeiert. Ein großer repräsentativer Bau mit zwei Minaretten und Kuppel mitten in Berlin, 1924 gebaut von Ahmadis. 2018 können Sie nicht einmal einen Zweckbau in einem abgelegenen Gewerbegebiet errichten, ohne dass Schweineköpfe auf dem Grundstück landen.

Das ist schon traurig, ja.

Gehörte der Islam vielleicht schon einmal mehr zu Deutschland als heute?

Naja, als ich 1978 Muslim geworden bin, hat niemand etwas vom Islam gewusst. Heute weiß jeder etwas. Die meisten wissen mehr über islamische als über jüdische Feiertage. So ein Moscheebau sorgt dafür, dass Menschen sich mit Dingen auseinandersetzen müssen, für die sie sich früher gar nicht interessiert haben. Menschen reden miteinander, die früher nie miteinander geredet hätten. So ein Moscheebau ist doch ein Sozialiserungsprozess. Da passiert so viel. Natürlich ist es manchmal so anstrengend als würde man ein Atomkraftwerk bauen. Aber wir haben die Erfahrung gemacht, dass sich danach die Situation immer beruhigt und wir wissen, dass eine Moschee für Frieden sorgt.

Wie das?

Bei unserer Moschee in Pankow kommen zum Beispiel regelmäßig Leute. Da kommt der türkische Polizist, fährt mit seinem Polizeiauto vor und betet. Es kommen Besuchergruppen, Schulklassen. Wir haben auch einen einigermaßen guten Kontakt zu den Nachbarn.

Haben Sie schon einmal erlebt, dass jemand skeptisch hineinkommt und wohlwollend wieder geht?

Es kam einmal einer, der hatte eine Armbrust dabei. Der hat mich bedroht und wollte mir ins Knie schießen. [lacht]. Da habe ich Panik bekommen.

Und dann?

Ist er wieder gegangen.

„Ich glaube Allah hat es nicht vorgesehen, dass Menschen sich auf ewig nur streiten“

Wie erleben die Mitglieder Ihrer Gemeinde die derzeitige Stimmung in Deutschland?

Bei uns wird darüber nicht gejammert. Wir sehen das als Herausforderung, der wir uns stellen müssen. Wir sehen das als Gelegenheit, mit Leuten ins Gespräch zu kommen. Für viele bieten wir die erste Gelegenheit, einen echten Muslim zu treffen.

Die Mehrheit der Deutschen will Muslimen die Einreise ins Land verbieten. Sogar der Innenminister sagt, der Islam gehöre nicht zu Deutschland. Kann ich Ihnen nicht zumindest etwas Pessimismus entlocken?

Ich glaube, es ist gar nicht alles so schlecht, wie die Presse berichtet. Abseits des großen politischen Geplänkels gibt es auch Erfolge: Wir haben mittlerweile Plattformen, wo man sich sofort zusammensetzt, wenn etwas passiert. Man ist den Dingen nicht mehr so ausgeliefert, wie es früher noch der Fall war. In jeder Kleinstadt gibt es mittlerweile einen runden Tisch und einen interreligiösen Kreis. Und wenn es keinen gibt, gründen wir einen. Wir werden immer auf die Leute zugehen. Wir waren zum Beispiel in Chemnitz an vorderster Front dabei mit Schildern auf denen stand: „Wir sind alle Deutschland“ und „Liebe für alle, Hass für keinen.“

Und was, wenn manche Menschen einfach nicht von Ihnen geliebt werden wollen?

Ich glaube Allah hat es nicht vorgesehen, dass Menschen sich auf ewig nur streiten. Wir glauben, wenn man intensiv arbeitet, kann man auch Versöhnung erreichen.

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