7 Medien, denen Akif Pirinçci nicht menschenverachtend genug war

"Widerwärtig... rechtsradikal... rassistisch": Seit dem KZ-Auftritt Akif Pirinçcis vor 20.000 Pegida-Anhängern kritisieren Medien die Äußerungen des einstigen Bestsellerautors. Gut so! Schlecht nur, dass viele in den letzten Jahren kein Problem mit Pirinçcis menschenverachtenden Thesen hatten.

„Die KZs sind ja leider derzeit außer Betrieb.“ Seitdem Akif Pirinçci vor zehntausenden Pegida-Anhängern diesen Satz sagte, ist es vermutlich vorbei mit der Karriere des einstigen Bestseller-Autors. Die Dresdner Staatsanwaltschaft ermittelt wegen Volksverhetzung. Sein Verlag warf seine Bücher aus dem Programm. Sogar sein Webmaster distanzierte sich von ihm. Und so ziemlich alle Medien, die über Pegida berichteten, empörten sich über den „widerwärtiger Auftritt“ (DeutscheWelle).

Das ist gut. Schlecht ist, dass dies nicht schon geschah, als Pirinçci schrieb: „Frau sein heißt in erster Linie, Leben schaffen.“ Oder: „aus dem Maul stinkende Hartz IV-Migranten-Analphabeten“. Oder: „schleichender Völkermord an den Deutschen“.  Oder: „linksgrüne Gesinnungsdiktatur“. Oder: „Moslemmüllhalde Deutschland“. Denn menschenverachtend sind die Auftritte und Bücher Pirinçcis schon seit Jahren. Hier sind sieben Medien, denen sie offenbar nicht menschenverachtend genug waren.

1. Café Puls im österreichischen Sender Puls 4

Als Pirinçci im österreichischen Frühstücksfernsehen sein Buch „Die große Verschwulung“ vorstellen durfte hatte der Moderator Sätzen wie diesem ziemlich wenig entgegenzusetzen: „Es ist eine arabisch-muslimische Invasion. Und diese Männer gehen einfach schwul zur Arbeit und verdienen die Steuergelder damit diese ankommende Invasion durchgefüttert wird.“

2. BILD

Mit „Deutschland von Sinnen“ lieferte Pirinçci  sein Hauptwerk der Frauen-, Muslime, Schwulen- und Migrantenverachtung ab. Viele kritische Rezensionen erntete er dafür. Nicht so in BILD. Dort ging man lieber mit dem Autor des „politisch unkorrektesten Buches des Jahres“ Currywurst essen.

akif_bild

Bild.de vom 30. März 2014

3. CosmoTV/ WDR

„Magazin für junge Migranten“ nannte sich CosmoTV vor seiner Einstellung. In Pirinçcis Leben sahen die Macher eine migrantische „Erfolgsgeschichte“ und würdigten und ihn mit einer kleinen Home-Story.
[Nachtrag: Der Beitrag ist mindestens neun Jahre alt und stammt damit aus der Zeit vor Pirinçcis rechstpopulistischer Karriere. Danke für die Hinweise und sorry, CosmoTV!“]

4. Focus Online

Eine migrantenfeindliche Mordserie und ein Migrantenfeind, der für seine Mordfantasien bekannt ist. Passt doch, dachte man sich offenbar bei Focus Online und kam auf die absurde Idee, ausgerechnet Pirinçci einen Beitrag über den NSU-Prozess schreiben zu lassen. Das Ergebnis war erwartbar:

„Manch ein grün-links gestrickter Journalist oder Politiker wünscht sich womöglich sogar, dass so eine Glatze doch endlich, endlich einmal ein Feuer in einem Türkenhaus legen möge, damit man die „Biodeutschen“ (Cem Özdemir) dann derart mit der NaziKeule verprügeln kann, dass sie sich jeden Tag auf dem Marktplatz unter der türkischen, eher aber muslimischen Flagge versammeln und Rituale der Unterwerfung vollziehen.“

5. FOCUS

Ein zweiseitiges Wohlfühlinerview gönnte der Focus Pirinçci. Neben Anekdoten von Weihnachten in der Eifel konnte Pirinçci dort vom Islam als „sexueller Zwangsneurose“ erzählen und Diskriminierung in Deutschland als „Erfindung der Migrationsindustrie“ abtun. Nur Widerspruch vom Interviewer gab es nicht.

focus

FOCUS 15/2014

6. Cicero

Spätestens mit „Deutschland von Sinnen. Der irre Kult um Frauen, Homosexuelle und Zuwanderer“ füllten sich die Feuilletons so langsam mit kritischen Rezensionen zu Pirinçcis Werk (hier Z.B.). Cicero-Kolumnist Alexander Marguier ging das zu weit. Er verteidigte das Buch als „ultraliberales Manifest“ mit „hohem satirischen Unterhaltungswert.“ Pirinçci sei „kein Demagoge“, sondern eine „Meister der Wutrede“ und „hoffnungsloser Romantiker.“

7. ZDF-Mittagsmagazin

Das ZDF-Mittagsmagazin gilt nicht unbedingt als Ort der kritischen journalistischen Auseinandersetzungen. Auch als Akif Pirinçci zu Gast war, blieb Moderatorin Susanne Conrad dieser Tradition treu und schaffte es, sämtliche menschenverachtenden Thesen Pirinçcis freundlich wegzulächeln.

18 Kommentare zu “7 Medien, denen Akif Pirinçci nicht menschenverachtend genug war

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.